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Gottesdienst mit Behinderten

Gottesdienste mit Behinderten

Vorbemerkungen
„Behinderte Kinder und Jugendliche werden oft in Tagesschulen an anderen Orten unterrichtet oder leben in diakonischen Einrichtungen. Umso bedeutsamer ist es für sie, dass ihre Kirchengemeinde sie wahrnimmt und sie einlädt, am Gemeindeleben teilzunehmen. Eine Behinderung ist kein Grund dafür, Menschen von Taufe, Abendmahl oder Konfirmation auszuschließen. Gottes Liebe und Zuwendung sind weder an individuelle Fähigkeiten noch an physische Voraussetzungen gebunden."
Rahmenordnung für die Konfirmandenarbeit der Ev. Landeskirche in Württemberg 2000, 12

Konfirmandenunterricht an der Sonderschule
Fünf Konfirmanden und eine Konfirmandin aus der Körperbehindertenschule (KBS) Mössingen wurden am 24. Juni 2001 in der Martin-Luther-Kirche Mössingen eingesegnet. Zusammen mit drei weiteren Schülern besuchten sie den Konfirmandenunterricht an der Sonderschule. Da die Konfirmandengruppe sehr heterogen zusammen gesetzt war, wurden nach einem gemeinsamen Anfang für die TeilnehmerInnen mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten und für solche mit einer schweren mehrfachen Behinderung differenzierte Angebote gemacht.

Kirchengemeinde am Schulort
Im Februar stellten sich die Konfirmanden mit einem Gottesdienst zum Thema „Mattscheibe oder Klarsicht?" der Mössinger Kirchengemeinde vor. Da sie im Umkreis von bis zu 40 km Entfernung wohnen, gehört niemand von ihnen zur Ev. Martin-Luther-Kirchengemeinde. Drei wohnen die Woche über im Internat der Schule. Die sechs in Mössingen Konfirmierten gehören zu den Jugendlichen der KBS, die nicht an der Konfirmandenarbeit ihrer Heimatgemeinde partizipierten.

Ein gemeinsamer Konfirmandenunterricht von Jugendlichen mit und ohne Behinderung ist noch immer die Ausnahme. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Häufig zeigt es sich, dass PfarrerInnen, Konfirmandengruppen und Heimatgemeinden sich nicht in der Lage sehen, Jugendliche mit einer Behinderung zu integrieren. Dies ist vermehrt bei Jugendlichen mit Beeinträchtigungen der Fall, die als schwer oder mehrfach bezeichnet werden.

Kirchengemeinde zu Hause
Zunehmend gelingt es aber, junge Leute mit solchen Handicaps in die örtliche Kirchengemeinde hineinzunehmen und das Zusammenleben durch sie zu bereichern. Nadine und Alexander besuchten z.B. nicht nur den Konfirmandenunterricht an der KBS, sondern zugleich in ihrer Heimatgemeinde und wurden dort konfirmiert, wo sie zu Hause sind. Für sie und ihre Konfirmandengruppe war dies eine gute, bleibende Erfahrung auf dem Weg zur Integration und Normalisierung ihrer Kirchenmitgliedschaft.

Integration – aber wie?
Umstritten ist nicht die Frage, ob Menschen mit einer Behinderung zu integrieren sind, sondern wie. Als Hilfestellung für eine integrative Konfirmandenarbeit legen wir die Dokumentation eines Konfirmationsgottesdienstes vor, der auch Jugendlichen mit einer schweren geistigen und körperlichen Behinderung gerecht werden will. Dabei wurde versucht, Gottes Wort spürbar und Glaubensinhalte mit allen Sinnen erfahrbar werden zu lassen.

Theologische Überlegungen
Umstritten ist dagegen der theologische Sinn der Konfirmation von Jugendlichen mit einer schweren geistigen Behinderung. Denn wo ein solches Handicap vorliegt, kann nicht mehr von der Bestätigung (Konfirmation) der Taufe durch ein mündiges Subjekt gesprochen werden.

Im hier dokumentierten Gottesdienst wurde darum ein Subjektwechsel vollzogen. Es sind die mündigen Gemeindeglieder, die Eltern und Paten, die den Konfirmanden/innen, die nicht für sich selbst sprechen können, bestätigen: „Deine Taufe ist ungebrochen gültig. Du bist von Gott geliebt und gehörst zu uns. Wir wollen dir unsere Herzen und Räume öffnen." Die Bedeutsamkeit dieser feierlichen Selbstverpflichtung sollte vorab in der Kirchengemeinde und in Elterngesprächen thematisiert werden.
Zum Gebrauch der Dokumentation
Die Dokumentation dieses Konfirmationsgottesdienstes gibt in der linken Spalte den Wortlaut des Gottesdienstes wieder. Die rechte Spalte beinhaltet Kommentare und Ausführungen, die die besonderen Aktionen und non-verbalen Aspekte des Gottesdienstes verständlich machen sollen. Hier finden sich auch Hinweise zu den verwendeten Materialien.

Der Gottesdienst eignet sich nicht zur Kopie. Jede Konfirmandengruppe verlangt ihren ureigenen Entwurf, um dem Einzelnen und der Gesamtsituationen gerecht zu werden. Die Dokumentation möge jedoch als Impuls- und Ideensammlung die dazu erforderliche Kreativität und Flexibilität beflügeln.

Für Rückmeldungen und weitere Anregungen sind wir Ihnen dankbar.
Ute Schneider (07474/1799)
Dr. Wolfhard Schweiker (Tel. 07473/273877; wschweiker@aol.com)



Gottesdienstablauf

Vorspiel (Orgel & Violine)
Begrüßung des Kirchengemeinderatsvorsitzenden
Lied EG 455, 1-3: Morgenlicht leuchtet
Votum & Einleitung
Psalmgebet EG 768: Gott, du bist freundlich zu uns
Glaubensbekenntnis
Lied: LfJ 512: Ein jeder kann kommen
Kurz Predigt
Musikstück
Verpflichtung der Konfirmanden und der Gemeinde
Gebet für die Konfirmanden
Lied: LfJ 382, 1: Gott, dein guter Segen (Vers 1)
Einsegnung der Konfirmanden
Übergabe der Denksprüche (Bild & Kreuz)
Lied LfJ 382, 2ff: Gott dein guter Segen (Verse 2-7)
Versinnlichung der Denksprüche durch Eltern und Paten
Abendmahl
Gedanken und Bilder zum Abendmahl
Lied: EG 229: Kommt mit Gaben und Lobgesang (Rollitanz)
Gebet
Einsetzungsworte
Austeilung von Brot und Wein (Traubensaft)
Fürbitte: Gebet um Lebensfarben (Mütter)
Vater Unser
Lied: EG 543, 1-3: Geh unter der Gnade
Bekanntmachungen
Segen (irisch)
Nachspiel (Orgel & Saxophon)

Konfirmation in Mössingen am 24. Juni 2001

Thema: „mit dabei!"

Vorspiel (Vivaldi: Orgel & Violine)
Begrüßung des Kirchengemeinderatsvorsitzenden

Lied: EG 455, 1-3: Morgenlicht leuchtet (Orff. Instrumente)

Votum & Einleitung
I Wir feiern diesen Konfirmationsgottesdienst nicht in unserem eigenen Namen, sondern
II Im Namen Gottes,
I der uns unser Leben schenkt
II und im Namen des Sohnes,
I der uns seine Liebe schenkt
II und des Heiligen Geistes
I der uns seinen Glauben schenkt.
II Amen.
II Gut, dass Sie heute morgen „mit dabei" sind und wir gemeinsam Gottesdienst feiern.
I Gut, dass ihr, die Konfirmanden, nach fast einem Jahr Unterricht hier hergekommen seid, um klar zu machen: Ihr seid in der Gemeinde Jesu „mit dabei".
II „Mit dabei" ist das Motto dieser Feier. Dass ihr zur christlichen Gemeinschaft „total" dazugehört, soll heute von euch und uns allen bestätigt und obendrein mit dem Segen Gottes besiegelt werden.
I Anschließend feiern wir als Zeichen einer Gemeinschaft, die keinen ausschließt, das Heilige Abendmahl. Dazu laden wir im Namen Jesu Christi herzlich ein.
II Laßt uns nun gemeinsam beten mit einem Psalm aus unserer Zeit. Sie finden ihn auf ihrem Liedblatt.
I Wir, die Gemeinde, sprechen den Kehrvers „Gott, du bist freundlich..." Simon und Sebastian W. sprechen römisch I + II.

Psalmgebet EG 768

Ehr sei dem Vater

I: Mit den Konfirmanden gemeinsam bringen wir nun zum Ausdruck, was der Grund unseres Glaubens ist,
II indem wir das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen; sie finden es auf ihrem Liedblatt.

Glaubensbekenntnis EG 686 (Konfirmanden & Gemeinde)

Lied: LfJ 512: Ein jeder kann kommen (Keyboard & Saxophon)

Kurze Predigt

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,
in der neuen Konfirmandenordnung unserer Landeskirche steht:
„Keine Behinderung schließt von Taufe, Abendmahl und Konfirmation aus!" Wir haben in unserem Konfirmandenunterricht versucht, damit ernst zu machen, gegen alle Versuche und Versuchungen der Ausgrenzung. Zwei aus unserer Gruppe, Alexander und Nadine wurden bereits in ihrer Heimatgemeinde in Reutlingen konfirmiert. Und Philipp wird zuhause in Balingen eingesegnet werden. Dass ihr als Konfirmanden in der Kirche „mit dabei" sein könnt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht.

- Wieviel Eltern bekommen heute zu hören: „So ein Kind, so eine Behinderung muss heute nicht mehr sein. Haben sie denn keinen Test machen lassen?"

- In unzähligen gentechnischen Labors im Ausland wird heute fieberhaft daran gebastelt (z.B. durch Präimplantationsdiagnostik) den perfekten Menschen nach Wunsch zu produzieren und wie viele würden es in unserem Land gerne tun, wäre es denn erlaubt.

- Selbst Christen sehen in einer vererbten Behinderung nicht selten einen Schöpfungsunfall Gottes. Und in unseren Gemeinden tun wir uns schwer, Menschen mit einer Behinderung die Herzen und Räume zu öffnen.
Wirklich „mit dabei zu sein!" ist noch immer die Ausnahme, sie muss erst noch zur Regel werden!Vielleicht hilft uns die folgende Geschichte weiter, dieses Ziel zu erreichen?

Geschichte:
Ein unermesslich reicher König hatte eine Tochter. Sie war jung und schön und im heiratsfähigen Alter. Deshalb ließ der König verkünden: "Wer mir ein Hochzeitsgeschenk bringen kann, das einmalig ist auf der Welt, der soll meine Tochter heiraten
und mein Königreich erben."

Viele Liebhaber machten sich auf den Weg. Sie brachten bedeutende, wertvolle, originelle Geschenke: Goldpokale und Edelsteine, den Zopf von Rapunzel, einen Goldkessel, Gedichte, Bilder, Kutschen und Ländereien, sogar die berühmte blaue Blume.

Aber jedesmal stieg der König in seine Schatzkammer und brachte aus seinen unermeßlichen Reichtümern ein noch schöneres, noch originelleres, noch bedeutenderes Geschenk zurück.
So vergingen die Jahre. Die Königstochter wurde immer unglücklicher, denn die Liebhaber kamen immer seltener. Bis eines Tages ein junger Mann erschien. Er war weder reich noch originell, weder bedeutend noch gutaussehend, aber ihm gefiel die Königstochter, und der Königstochter gefiel er.

"Laß ihn mich heiraten," flehte sie ihren Vater an. Aber auch Könige müssen sich an die Regeln halten, die sie selber aufgestellt haben. "Er soll ein einmaliges Geschenk bringen," brummte der König, "dann kann er dich haben." Verzweifelt wanderte der junge Mann hinaus in die weite Welt, in der es nichts gab, was der reiche König nicht schon hatte. Müde legte er sich am Abend unter einen Baum und schlief ein.
In jener Nacht gab es ihm der Herr im Schlaf. Er hatte einen Traum und als er am Morgen erwachte, kannte er ein einzigartiges Geschenk.
Im Thronsaal warteten schon der König, seine Tochter und alle Minister. Als der junge Mann eintrat, strahlte ihn die Königstochter an. Doch der König knurrte: "Wo ist dein Geschenk?"

Da zog der junge Mann eine kleine Schachtel heraus und gab sie dem König. Der öffnete die Schachtel, runzelte unwillig die Stirn, dann begann er zu grinsen und brach in dröhnendes Gelächter aus: "Großartig", sagte er: "Du sollst sie haben.
Wirklich ein einmaliges Geschenk!"
Wer mag nachschauen, was sich in der Schachtel befindet?
Jemand von den Konfirmanden oder ein Kind?
Jeder Mensch ist ein einmaliges Geschenk, auch ihr sechs, die ihr heute konfirmiert werdet.
Jeder von euch, so wie er oder sie geschaffen ist, trägt ein ganzes Weltall in sich, große Geheimnisse und ungeahnte Möglichkeiten.
Ihr seid einzigartige Geschenke Gottes, nicht, weil ihr so viele Werte habt oder hervorbringt, nein, weil ihr ihm so viel wert seid.
In der Taufe hat Gott zu jedem von euch gesagt:. „Freu dich, dein Name ist im Himmel aufgeschrieben. Du bist mit dabei! Du gehörst zu mir!"

Das macht euch einzigartig, das gibt euch den unverlierbaren Adel und die Würde von Gott berührt, mit seinem Geist beschenkt zu sein. Deshalb seid ihr - so wie ihr seid - Königskinder, allen Versuchen der Ausgrenzung und der Auslese zum Trotz.

Amen.

Musikstück (Orgel & Saxophon): Von guten Mächten (Fietz)

Verpflichtung der Konfirmanden und der Gemeinde
Liebe Konfirmanden,
ihr seid auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft worden. In der Taufe hat Gott euch wie seine leiblichen Kinder angenommen und zu euch gesagt:
„Du bist mein geliebter Sohn/ Du bist meine geliebte Tochter!"
Ihr gehört zu ihm und zur christlichen Gemeinschaft.
Ihr drei, Larissa, Sebastian und Simon könnt euch selbst entscheiden. Ihr seid religionsmündig. Darum frage ich euch:
Wollt ihr im Glauben annehmen, was Gott euch in der Taufe geschenkt hat und zur Kirche Jesu Christi gehören, dann sprecht: Ja, Gott helfe uns!
Konfirmanden: Ja, Gott helfe uns!

Nun frage ich auch euch, liebe Gemeinde, stellvertretend für die Konfirmanden, die ihr Ja nicht selber sprechen können:
Wollt ihr bestätigen, was Gott Manuel, Sebastian und Philipp in der Taufe geschenkt hat, eine königliche Würde und die Gotteskindschaft und wollt ihr ihnen in der Kirche Jesu Christi einen weiten Raum schaffen, dann sprecht: Ja, Gott helfe uns!

Gemeinde: Ja, Gott helfe uns!

Lasst uns nun für die Konfirmanden beten:
Gebet für die Konfirmanden (I):
Herr, du hast jeden von uns einzigartig geschaffen. Wir sind alle keine Kinder des Zufalls, keine Laune der Natur. Deshalb bitten wir dich besonders für die Konfirmanden:
Begleite du sie auf ihrer Lebensreise. Schenke ihnen Freunde, die zu ihnen stehen und sie ermuntern. Schenke ihnen Mut und Kraft, sich in unserer schwierigen Gesellschaft zurecht zu finden. Lass sie immer spüren, dass wir alle von deiner Liebe getragen sind.
Amen

Einleitung zum Segen
Gottes Liebe ist uns sicher. Das gilt auch für euch, liebe Konfirmanden.
Um dies sichtbar und deutlich zu machen, werden wir unsere Hände auf euren Kopf legen. Dabei bitten wir unseren Schöpfer, um seine belebende und erneuernde Kraft. Seine Kraft ist der Segen, der unser Leben trägt, so wie dieser feste Boden (hier) uns. Er beschirmt uns wie ein Zelt.
Kommt also bitte vor (auf diesen Boden) und unter das Zelt, das Paten von euch nun aufbauen werden. Das schützende Zelt veranschaulicht -sogar besser als die Hand- die bergende Kraft des Segens.
Dazu singen wir die erste Strophe des Liedes: „Gott, dein guter Segen ist wie ein großes Zelt."
Wer kennt dieses Lied? Vorsicht – wir haben es für unsere Konfirmanden umgedichtet!

Lied: Gott, dein guter Segen (v. 1, mit Einleitung)
Gott, dein guter Segen ist wie ein großes Zelt,
hoch und weit, fest gespannt über ihrer Welt.
Guter Gott, wir bitten dich: Schütze und bewahre sie.
Laß sie unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleib bei ihnen alle Zeit,
segne sie, segne sie, denn der Weg ist weit.

Einsegnung und Übergabe der Denksprüche (Kreuz + Bild)

Liebe Konfirmanden,
kommt nun vor an den Altar, damit wir euch die Hände auflegen und empfangt Gottes Segen.

Sebastian W. (II)
Gott ist die Macht, die unser Leben trägt,
seine Liebe begleite dich, Sebastian, bei jedem Schritt,
den du gehst.
Amen.

Simon F. (I)
Gott, der wie ein guter Freund ist,
behüte dich, Simon, in allem, was dir begegnet,
Er schenke dir Vertrauen, Hoffnung und Liebe.
Amen.

Übergabe von Kreuz und Bild

Daniel M. (II)
Der Friede Gottes, der mehr ist als alles,
was wir sehen und begreifen können,
umhülle dich, Daniel, dein ganzes Leben lang.
Amen.

Larissa P. (I)
Gott, der Herr, behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang,
jetzt und jederzeit.
Amen

Übergabe von Kreuz und Bild

Manuel W. (II)
Der Gott des Friedens
heilige dich durch und durch
und bewahre deinen Geist
samt Seele und Leib unversehrt.
Amen.

Sebastian R. (I)
Gott, der Herr, sei mit dir,
er sei freundlich zu dir
und bewahre dich in seiner Liebe. Amen.

Übergabe von Kreuz und Bild

Konfirmationssprüche:
Sebastian, dein Denkspruch steht in Ps 91, 1+2:
Sebastian R. (II)

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Psalm 91, 1+2

Damit die Konfirmationssprüche, die euch ein Leben lang begleiten, nicht nur so dahingesprochen werden, haben eure Eltern und Paten versucht, diese Bibelverse für euch spürbar und sichtbar zu machen.

Aktion

Für jeden Konfirmand singen wir eine Strophe vom angefangenen Lied; für Sebastian R. die 2. Strophe.

Lied:
2. Gott, dein guter Segen ist wie ein Regenschirm,
der dich birgt in Gefahr und beschützt ganz firm.
Guter Gott, wir bitten dich: Schütze und bewahre ihn.
Laß ihn unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleibe bei ihm alle Zeit,
segne ihn, segne ihn, denn der Weg ist weit.

Manuel W.: (I)
„Der Herr ist mein Licht und mein Heil,
vor wem sollte ich mich fürchten?"
Psalm 27,1

Aktion

Lied:
3. Gott, dein guter Segen ist wie ein helles Licht,
leuchtet weit, alle Zeit in der Finsternis.
Guter Gott, wir bitten dich: Leuchte und erhelle ihn.
Laß ihn unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleibe bei ihm alle Zeit,
segne ihn, segne ihn, denn der Weg ist weit.

Larissa P. (II)
Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht,
wird er glücklich werden
und wird ein und aus gehen
und Weideland finden. Joh 10,9

Aktion

Lied:
4. Gott, dein guter Segen ist wie ein Rathaustor,
lässt dich ein, macht dir Platz, bringt dich ganz weit vor.
Guter Gott, wir bitten dich: Stärke und erquicke sie.
Laß sie unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleibe bei ihr alle Zeit,
segne sie, segne sie, denn der Weg ist weit.

Daniel M. (I)

Denn ich bin der Herr, dein Gott, ich fasse dich bei der Hand und sage zu dir: Fürchte dich nicht! Ich selbst, ich helfe dir!

Jesaja 41,13

Aktion

Lied:
5. Gott, dein guter Segen ist wie des Freundes Hand,
die dich hält, die dich führt in ein weites Land.
Guter Gott, wir bitten dich: Führe und begleite ihn.
Laß ihn unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleibe bei ihm alle Zeit,
segne ihn, segne ihn, denn der Weg ist weit.

Simon F. (II)
„Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein,
dass dich die Ströme nicht ersäufen;
und wenn du durchs Feuer gehst, sollst du nicht brennen
und die Flamme soll dich nicht versengen.
Denn ich bin der Herr, dein Gott." Jes 43,2

Aktion

Lied:
6. Gott, dein guter Segen ist wie ein Bodyguard,
nah bei dir bekämpft er dir Feuer und Gefahr.
Guter Gott, wir bitten dich: Stärke und bewahre ihn.
Laß ihn unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleibe bei ihm alle Zeit,
segne ihn, segne ihn, denn der Weg ist weit.

Sebastian W. (I)
Wenn schlimme Tage kommen,
nimmt der Herr mich bei sich auf,
er gibt mir Schutz unter seinem Zeltdach
und stellt mich auf sicheren Felsengrund
Psalm: 27, 5

Aktion

Lied:
7. Gott, dein guter Segen ist wie ein großes Zelt,
hoch und weit, fest gespannt über deiner Welt.
Guter Gott, wir bitten dich: Schütze und bewahre ihn.
Laß ihn unter deinem Segen leben und ihn weitergeben.
Bleibe bei ihm alle Zeit,
segne ihn, segne ihn, denn der Weg ist weit.

Abendmahl
Trotz guten Willens, trotz schöner Segensworte, es gibt auch Menschen, die uns gestohlen bleiben können. Solche, denen wir nicht die Hand geben würden, mit denen wir nicht am selben Tisch sitzen wollten, vor denen wir auf dem Absatz umdrehen. Larissa, Simon, Sebastian und Alexander haben solche Leute, solche „Typen", für uns aufs Papier gebracht.

1. Solche, die uns das Geld aus der Tasche ziehen – wie hier der Steuerbeamte oder einen selbst übers Ohr hauen (Finanztyp)

2. Jemand, der nur an sich selbst denkt und für andere nichts übrig hat. Jemand, der auf die Frage wie „Darf ich mit deinen Rollschuhen fahren?" grundsätzlich mit „Nein!" antworten. (Szene am Tisch)

3. Solche, die mir zehn Meilen gegen den Wind stinken – wie nach übelstem Achselgeruch und faulen Eier (Fliegentyp)

4. So jemand, der rücksichtslos alle überfährt nach dem Motto: „Wenn ich den Rasen mähe, steht mir keiner im Weg!" (Rasenmäher)

5. Solche, die andere auf brutale Weise missbrauchen (Missbrauch)

und

6. Solche, die sich aufführen wie der Teufel persönlich (Teufel)

Ich bin sicher: Jeder und jede von ihnen könnte auch so eine Erscheinung zeichnen, eine ganz und gar unmögliche Person. Dazu braucht es nicht viel Phantasie. Wir kennen sie aus unserem Alltag oder aus Funk und Fernsehen.

Doch das Verblüffende ist: Jeder unmögliche Mensch, auch der, den ich in den Augen anderer selber bin, ist am Tisch Jesu willkommen, er darf Platz nehmen, bekommt eingeschenkt und aufgetischt, Brot und Wein.
Wir alle dürfen dabei sein, ganz gleich, ob wir schon erwachsen sind oder noch ein Kind, ganz gleich, ob wir evangelisch oder katholisch, Rechtgläubige oder Zweifler sind:
Gottes Vergebung ist größer als unsere Schuld, sein Herz ist weiter als unsere „Schubladen". Alle sind wir an seinen Tisch geladen. Wir bekräftigen dies mit dem Lied:

Lied EG 229: Kommt mit Gaben und Lobgesang (Rollitanz der Konfirmanden)

Gebet:
Gott, du willst, dass wir dazugehören. Du schließt keinen aus.
Zu dir kommen wir mit unserer Sehnsucht nach Anerkennung und Annahme.
Zu dir kommen wir mit dem, was uns mißlungen ist,
mit dem, was wir anderen schuldig geblieben sind:
unseren Kindern, unseren Eltern, unseren Freunden.
Vergib uns und lass uns neue Schritte wagen.
Ist dies eure Bitte, so sprecht mit mir:
„Herr, erbarme dich!"

Gemeinde: „Herr, erbarme dich!"

Freut euch! Gottes Güte reicht so weit der Himmel ist,
seine Wahrheit so weit die Wolken gehen!
Amen.

Wir erinnern uns an die Nacht,
in der Jesus mit seinen Jüngern ein letztes Mal zu Tisch saß, wenn wir nun mit und für die Konfirmanden die Einsetzungsworte zum Abendmahl sprechen.
Einsetzungsworte

Wir feiern das Abendmahl mit Traubensaft in Einzelkelchen und in großen Gruppen hier vorne vor dem Altar. Zuerst sind die Konfirmanden mit Eltern und Paten geladen.
Kommt, denn es ist alles bereit.
Seht selbst und schmeckt wie freundlich der Herr ist,
glücklich, wer ihm vertraut!

Austeilung
Nehmt und esst vom Brot des Lebens
Nehmt und trinkt vom Kelch des Heils

Wir fassen uns an den Händen:
Sendungswort z.B.:
„Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde,
du salbst mein Haupt mit Öl
und schenkst mir voll ein!" Ps 23
Geht hin im Frieden des Herrn.

Gebet um Lebensfarben
Herr, in meinem Leben gibt es viel Alltagsgrau.
Ich bitte dich um Alltagsfarben in mir, damit mein Leben mit dir
und den Menschen besser gelingen kann.
Herr, gib mir viel vom Gelb des Lichtes
für die Dunkelheiten in meiner Seele.
Herr, gib mir vom Orange der Wärme
gegen alles Unterkühlte in meinem Herzen.
Herr, gib mir vom Grün der Hoffnung
gegen Resignation und Ausweglosigkeiten.
Herr, gib mir vom Rot der Liebe,
um davon wieder austeilen zu können.
Herr, gib mir vom Blau des Glaubens,
um meine Lebensentscheidungen zu leben.
Herr, gib mir vom Violett der Buße
für Wege zu Umkehr und Neuanfang.
Herr, gib mir vom Schwarz des Todes,
damit ich mich einstimme auf Abschiede.
Herr, gib mir vom Weiß des Neuen,
um für dich offen und bereit zu sein.
Herr, gib mir vom Braun der Erde
für Beständigkeit und Ausdauer.
Herr, gib mir vom kostbaren Gold,
dass ich dich als das Kostbare ehre.
Herr, gib mir ein wenig von allen Farben,
denn buntes Leben lebt sich leichter.
Herr, zeige mir ab und zu einen Regenbogen,
damit ich weiß: Du bist ja da!
(Ursula Bittner)
Vater unser im Himmel...

Lied EG 543: Geh unter der Gnade

Bekanntmachungen (Kirchengemeinderat)

Irischer Segen
Nachspiel: „Oh happy day!" (Orgel & Saxophon)

Anmerkungen

Die Musik sollte dem Empfinden der K. mit Behinderung gerecht werden.
Rhythmusinstrumente können an GD-Besucher verteilt werden.
Das Votum wird von den Konfirmierenden abwechselnd in einfachen Worten konkretisiert.
Wann die Gemeinde steht bzw. sitzt sollte aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eigens bedacht werden.
Der Anlass des GD wird kurz angesprochen.
Das Thema des GD wird mit Konfirmation in Verbindung gebracht.
Besonderheit der Konfirmation heute.
Hinweis auf das Abendmahl
Zwei Konfirmanden sprechen abwechselnd I + II
Alle Katechismustexte wurden mit der Gemeinde gesprochen, um den kognitiven und psychischen Kräfte der Förderschüler/in Rechnung zu tragen..
Dieses Lied war fester Bestandteil des Konfirmandenunterrichts.

Aus welcher Quelle das Original dieser Geschichte stammt, ist uns unbekannt. Gehört und aufgeschrieben wurde sie von Dr. Thomas Erne, Köngen.
Eine Schachtel hervorholen und sie öffnen.
Es eignet sich z.B. eine Schmuckschatulle von handlicher Größe.
Die Gemeinde fragen, auf eine/n Freiwillige/n zugehen und den Deckel der Schachtel heben. Innen befindet sich ein Spiegel.
Vgl. Jes 43,1
Siehe EG 541
vgl. Mk 1,11 par
Vgl. Konfirmationsagende der Ev. Landeskirche in Württemberg S. 27
Hier wird die Gemeinde stellvertretend gefragt und der Subjektwechsel der Konfirmation vollzogen.
Diese Verpflichtung ist nicht agendarisch, sondern eigens formuliert.
Gegen die Annahme, Behinderung sei ein Schöpfungsunfall Gottes, wird hier von seinem einzigartigen Werk gesprochen.
Vgl. z.B. Gen 4,11
Die Zeichenhandlung bei der Einsegnung wird kurz erläutert.
Konfirmanden kommen in den Altarraum.
Die Patenaktion wurde beim Elternabend gewünscht und geplant.
Biegsame, zusammensteckbare Alustangen eines kleinen Igluzeltes wurden an ein Schwungtuch (3x3m; Sportunterricht) genäht und von mind. 4 Personen bis Ende der Einsegnung gehalten.
Das Lied findet sich im Liederbuch für die Jugend Nr. 382.
Das Lied wurde so umformuliert, dass der Segen den KonfirmandInnen zugesprochen wird.
Die Kniebank mußte bei Rollstuhlfahrern entfernt werden, um räumliche Nähe herzustellen. Wenn möglich können Rollstühle von Mitkonfirmanden geschoben werden..
Die Segenssprüche wurden von den Konfirmatoren abwechselnd gesprochen, die Hände von beiden spürbar aufgelegt.
Als Erinnerung bekam jede/r Jugendliche eine gerahmte Konfirmationsurkunde mit Bild (Sieger Köder) überreicht bzw. in den Rollstuhl gesteckt und ein zum Denkspruch passendes Bronzekreuz mit Lederbändel umgehängt.
Manuel empfand die segnenden Hände über sich bei der Probe (die dringend zu empfehlen ist) als Bedrohung. Darum hielten wir unsere segnende Hände sichtbar vor seine Augen.
Die K-Sprüche wurden von den Eltern erlebbar gemacht und von ihnen auch z.T. ausgesucht.
Ein Schirm, der bemalt und mit dem K-Spruch beschriftet war, wurde von den Eltern über Sebastian aufgespannt und gehalten. (Dies hatte eine erstaunlich beruhigende Wirkung!)
Die Aktion kann z.T. während der Liedstrophe durchgeführt werden.
Die Eltern kennen ihre Kinder am besten. Darum wissen sie, welche Aktion passend und erfahrungsreich sein könnte.
Ein Lichtstrahler wurde hinter Manuel aufgestellt, auf ihn gerichtet und angeschaltet.
Ein Türrahmen wurde mit zusammengeschraubten Holzbrettern angedeutet. Die Konfirmandin ging aus und ein. Einmal wurde ihr etwas zu trinken gereicht (Longdrink) ein andermal Brot zu essen.
Die Eltern nehmen Daniel an die Hand und umarmen ihn.
Das Wasser wurde wie bei einem Mobile mit Wassertropfen aus Papier an Fäden dargestellt, durch die Simon gehen musste.
Das Feuer wurde mit roten und gelben Krepppapierstreifen versinnbildlicht, die an ein Holz gebunden und hochgehalten wurden. Durch sie ging Simon hindurch.
Das Zeltdach, das vor der Einsegnung alle Konfirmanden geschützt hatte, wurde nun von den Eltern und Paten über ihn gehalten. Auch das Stehen auf einem Fels (aus Pappmache modelliert o.ä.) wäre möglich gewesen.
Im KU wurden die dazu fähigen KonfirmandInnen aufgefordert, eine Person zu zeichnen, die sie nicht ausstehen können. Diese Zeichnungen wurden im GD auf Folie per Tageslichtprojektor präsentiert.
Da für einzelne Konfirmanden Frustration und Aggression ein bedeutendes Thema ist, ermöglichte ihnen diese Methode, sich selbst in den Gottesdienst einzubringen ohne exponiert zu werden.
Um die Länge des Gottesdienstes (1,5 Std.) zu kürzen, könnte dieser Teil auch gestrichen werden.
Vgl. die Zeichnungen im Anhang
Es soll deutlich werden, dass Gott im Abendmahl die eigenen Ausgrenzungstendenzen und das eigene Ausgegrenztsein mit seiner Liebe durchbricht.
Rollstuhltanz:
Zuerst links gehen/ schieben bis „Dank", dann rechts bis Kehrvers. Beim Kehrvers um sich selbst im Kreis drehen. Dazu Rhythmusinstrumente einsetzen. Der Tanz kommt aus Jamaika!
Bitte um Vergebung
Psalm 36,6
Die Einsetzungsworte werden gemeinsam gesprochen
Im KU wurde das Abendmahl mit den schwer mehrfachbehinderten Konfirmanden über mehrere Wochen regelmäßig gefeiert. Dabei konnte allmählich herausgefunden werden, wie das Abendmahl am günstigsten eingenommen wird (Oblade, Brot ohne Kruste, Intinktion o.ä.). Mögliche Schwierigkeiten (nicht essen können, z.B. bei PEG-Sondenernäh-rung, verweigern, ausspucken) können beim Abendmahl angesprochen und als Normalität dieses/r Jugendlichen benannt werden.Beim Elternabend entschieden sich die Mütter, selbst das Fürbittgebet zu sprechen. Sie wollten sich selbstbewußt an den Hände halten und damit sichtbar zu ihren Kindern stehen.
Nach jeder Bitte fixierten sie ein Seidentuch in der entsprechenden Farben mit Wäscheklammern an einer biegsamen Zeltstange. Bei der letzten Bitte (Regenbogen) wurde die waagrechte Zeltstange von zwei Vätern an den Enden nach innen zu einem bunten Bogen zusammen gedrückt und während dem Vaterunser gehalten.
Nach den Bekanntmachungen ergriffen die Eltern von sich aus das Wort, um sich zu bedanken und zum Ausdruck zu bringen, wie wichtig es für sie ist, dass auch ihre Kinder mit dabei sind.
Als Segnen eignet sich z.B. ein Irischer Segen mit Symbolsprache.
Der Regenbogen vom Fürbittgebet kann beim Hinausgehen über dem Ausgang gehalten werden.

Inklusive Konfirmandenarbeit KU-Rahmenordnung