Leitlinien der Konfirmandenarbeit - eine Lesehilfe
Arbeitsblatt 1
„Mit Kindern und Jugendlichen auf dem Weg des Glaubens“ lautet der Titel der neuen Rahmenordnung für Konfirmandenarbeit – er ist auch Programm. Die Landessynode hat im April 2000 diese Rahmenordnung einstimmig verabschiedet; sie löst damit die „Anleitung zum Konfirmandenunterricht“ von 1975 ab.
Konfirmandenarbeit
Allein schon die Veränderung der Wortwahl macht deutlich, dass sich im Verständnis der Gestaltung von Konfirmandenzeit Wesentliches verändert hat:
Konfirmandenarbeit meint die Wegbegleitung der Gemeinde in der Konfirmandenzeit. Ein Teil davon ist der Konfirmandenunterricht, in dem Katechismusinhalte mit Lebensthemen Jugendlicher verknüpft werden und wesentliche Inhalte des Glaubens jugendgemäß vermittelt werden. In den Praxisfeldern werden Personen und Angebote der Gemeinde kennen gelernt und Möglichkeiten der Beteiligung eröffnet.
Kinder und Jugendliche sind Ausgangs- und Zielpunkt der Überlegungen. Es handelt sich um eine neue Öffnung zu den Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Die Rahmenordnung öffnet einen weiten Rahmen für Modelle und eigener Konzeption der Konfirmandenarbeit in den verschiedenen Gemeinden. Gleichzweit wird das Verbindliche für die ganze Landeskirche festgelegt.
„Der Weg des Glaubens“ ist ein Prozess, eine Weggemeinschaft von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Gliedern der Gemeinde (Ehren- und Hauptamtlichen). Gemeint ist damit eine neue Öffnung in die Gemeinde.
Auch Kinder kommen in der neuen Rahmenordnung in den Blick. Eine Antwort auf die zunehmende „Entchristlichung“ unserer Gesellschaft ist, Kinder schon früh in die Gemeinde einzuladen und zu begleiten (christliche Sozialisation). Der Modellversuch KU3/8 nimmt diese Anliegen auf.
Die wesentlichen Leitmotive heißen Perspektivenwandel und Lernort Gemeinde.
Inhalt der Rahmenordnung
Die neue Rahmenordnung nennt die Ziele der Konfirmandenarbeit (S. 7), nimmt die Kinder und Jugendlichen (S. 9) und die anderen beteiligten Personen (S. 14) in den Blick. Es werden die Begriffe Perspektivenwechsel (S. 9) und Lernort Gemeinde (S. 14) eingeführt. Die Rahmenbedingungen beschreiben, was für die ganze Landeskirche verbindlich gilt (S. 17). Im Folgenden wird die Praxis der Konfirmandenarbeit aufgezeigt: Der Unterricht und seine Didaktik (S. 19), die Inhalte und der Memorierstoff (S. 23), die Praxisfelder (S. 29), Gottesdienst (S. 32) und Konfirmation (S. 36). Am Schluss werden Wege in die Gemeinde nach der Konfirmation aufgezeigt (S. 39).
Perspektivenwechsel
„Konfirmandenunterricht wird nicht für, sondern mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten geplant und gestaltet“. Sie sind die Hauptpersonen – Ausgangspunkt und Zielpunkt unserer Überlegungen. Sie sollen aktiv an der Auslegung des Evangeliums beteiligt sein, eigene Standpunkte und eigenen Formen der Spiritualität entwickeln. Die Kinder und Jugendliche sind ernstzunehmende Partnerinnen und Partner auf dem gemeinsamen Weg des Glaubens. Sie sollen zu Wort kommen.
Die Gemeinde begleitet nicht nur die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg des Glaubens – sie entdeckt, dass Kinder und Jugendliche wichtige Glieder der Gemeinde sind, die die „Erwachsenen“-Gemeinde ergänzen und korrigieren.
Der Umsetzung des Perspektivenwechsels dienen Beteiligungsformen, durch die Kinder und Jugendliche sich einbringen und mitwirken können. In einem Prozess sollen Lebensthemen Jugendlicher und Inhalte der Glaubensüberlieferung miteinander verknüpft werden. In vielfältigen Methoden und Erfahrungsräume werden die Inhalte exemplarisch und elementar zugänglich gemacht.
Leitfrage einer Konfirmandenarbeit im Sinne des Perspektivenwechsels wird sein, ob wir Kinder und Jugendliche wahr-nehmen und ihnen ihren Raum in der Gemeinde zugestehen. Dies wirkt sich z.B. in den Formen der Konfirmandenarbeit und in der Öffnung des Gottesdienstes aus.
In diesem Miteinander lernen auch Kinder und Jugendliche, ihre Perspektive zu wechseln. Sie sollen die traditionelle Inhalte des Glaubens kennen und verstehen lernen, sich auf ihnen fremde Formen der (Gemeinde-)Spiritualität einlassen um so eigene Standpunkte entwickeln zu können. Vielleicht finden sie so eigene Zugänge zum christlichen Glauben.
Lernort Gemeinde
Die Gemeinde ist der Lern-, Lebens- und Erfahrungsraum der Konfirmandenarbeit. Sie übernimmt mit der Taufe von Kindern Verantwortung für deren Weg in der Gemeinde – dies wird in der Konfirmandenzeit besonders deutlich. Konfirmandenarbeit ist daher Aufgabe der Gemeinde und wird vom Kirchengemeinderat verantwortet.
Pfarrerin und Pfarrer, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Eltern und Paten begleiten auf unterschiedliche Weise die Kinder und Jugendlichen. Diese lernen so die Angebote, Dienste und Glieder der Gemeinde kennen. In der Begegnung mit Personen, die sich in die Gemeinde einbringen und ihren Glauben gestalten, können die Konfirmanden sich orientieren und auseinandersetzen. Durch Mitarbeit und Beteiligung in Bereichen der Gemeinde, insbesondere des Gottesdienstes, nehmen sie sich als Teil der Gemeinde wahr. Zugleich sollen sie eigene Ausdrucksformen des Glaubens (Spiritualität und Dienst) erproben und entwickeln.
In Praxisfelder wie Gemeindepraktika, Begleitmodelle, Freizeiten, Jugendarbeit und Projekten wird Lernort Gemeinde konkret. Je nach Gemeindesituation können unterschiedliche Modelle der Konfirmandenarbeit entwickelt werden.
Rahmenbedingungen
Die Konfirmation wird weiterhin in der 8. Klasse gefeiert. Der Unterricht zur Vorbereitung der Konfirmation beträgt mindestens 80 Unterrichtsstunden (zu 45 Minuten). In der Regel findet der Unterricht im siebten und achten Schuljahr am Mittwochnachmittag statt. Um erfahrungsbezogenes Lernen zu ermöglichen, werden Konfirmandentage, Kompaktkurse und Blockunterricht an Wochenenden empfohlen. Konfirmandenfreizeiten, Konfirmandenwochenenden, Konficamps, Gemeindepraktika sind konstitutive Elemente der Konfirmandenarbeit. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden wird empfohlen.
Auf dem Weg zur Konfirmation gibt es künftig noch eine weitere Möglichkeit. Neben dem Unterricht im 7. und 8. Schuljahr (s.o.) kann dieser auch in zwei Phasen im 3. und 8. Schuljahr durchgeführt werden. Der zweiphasige Konfirmandenunterricht soll zunächst in einem achtjährigen Modellversuch erprobt werden.
