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Dieter Altmannsperger, Barfuß die Bibel entdecken

Dieter Altmannsperger, Barfuß die Bibel entdecken. Kooperative Abenteuerspiele für die kirchliche und schulische Praxis, Neukirchener Verlag, Neukirchen 2018, 112 S., 12,99 Euro

Wer barfuß geht, ist empfindsamer: Das hat sicher jeder schon einmal gemerkt, spätestens im Wassertretbecken oder auf einem Barfußpfad. Übertragen meint Altmannsperger: Biblische Geschichten wollen nicht nur gehört, sondern im Spiel erlebt werden, denn „in jeder biblischen Geschichte steckt auch eine körperliche Begegnung zwischen Menschen oder zwischen Gott und den Menschen“ (S. 9).

Altmannsperger sieht sich in der Tradition der Erlebnispädagogik und kooperativer Abenteuerspiele: Er möchte mit seinen Barfuß-Spielen sich selbst und die Gruppe in Bewegung setzen und über das dabei Erlebte reden. Dadurch erschlössen sich neue Perspektiven, ist Altmannsperger überzeugt: Die Spiele würden so zu „Perspektivwandlern“.

Also legt Altmannsperger ein kleines und feines Praxisbuch vor, das vor allem Mut machen soll, selbst auszuprobieren und bereits bekannte Spiele neu zu erfinden. Die Idee, altbewährte Spiele neu als Barfuß-Spiele umzugestalten, richtet sich an 10- bis 13-Jährige, ist geeignet für den Religions- wie den Konfirmandenunterricht und ist nach Altmannspergers Überzeugung besonders geeignet, auch religionsferne Kinder anzusprechen.

Das Buch bietet einen durchdachten und nachvollziehbaren Aufbau: Nach einem Einleitungsteil, in dem es um den Sinn und die Vorteile der Methode geht, schließt sich ein Vorbereitungsteil an, der erklärt, was bei der Vorbereitung und Ausführung von Barfuß-Spielen beachtet werden muss. Ausführlich schildert Altmannsperger vier Phasen: Vorbereitung – Anleitung – Durchführung – Reflexion. Danach möchte man eigentlich gern das Büchlein aus der Hand legen und sogleich anfangen …

Der Praxisteil ist anschaulich gestaltet und beschreibt anhand der biblischen Geschichten von der Heilung eines Gelähmten und vom Seewandel des Petrus zwei Methoden, die Geschichten nachzuempfinden, wobei die Fotos den Text so sicher begleiten wie die Aufbauanleitung eines IKEA-Regals: Es kann eigentlich nichts schiefgehen. Geht es im einen Spiel um den Transport des Gelähmten und das Ablegen desselben auf einem Tisch, muss im anderen „Petrus“ barfuß über ausgelegte Kanthölzer balancieren, erschwert durch das Spalier der Mitspieler, die das bewegte Meer darstellen. Die Fotos sprechen für sich: Auf den Gesichtern der Jugendlichen mischen sich Konzentration, Freude und Hingabe. Da ist man als Leser fast enttäuscht, dass nur zwei Beispiele vorgestellt werden, aber das Buch ist ja dazu gedacht, Anstoß zu geben und zu eigenem Gestalten anzuregen.

Das macht dann auch der anschließende Reflexionsteil: Ausführlich wird beschrieben, wie Jugendliche auf die Erfahrung eines Barfuß-Spiels reagieren. Allerdings ist fraglich, ob Leo, Stefanie, Tom und Sara tatsächlich repräsentativ für viele stehen …

Abschließend findet sich reichlich Literatur, wo der geneigte Leser Spiele findet, die er umgestalten kann.

Warum nicht – dann mal los und ausprobieren!

Gunnar Kuderer

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